Kommentar

In einem 120 Seiten starken Rechtsguthaben kommt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zu der Einschätzung, eSport sei kein Sport. Dabei übersieht der DOSB allerdings sein eigenes Leitbild und konterkariert frühere Entscheidungen zur Anerkennung von Sportarten.

Berlin, 28.08.2019: Der DOSB erteilt dem eSport eine Absage – ein vom DOSB in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kommt zu dem Schluss, dass eSport nicht als Sport angesehen werden kann, da sich Sport „durch die langjährige Rechtsprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert.“ Ob eSport ein Sport im Sinne von „Turnvater Jahn“ ist, darüber lässt sich streiten. Aber verpasst der DOSB hier nicht eine Chance für die Zukunft? Verschließt sich der DOSB mit seiner Einschätzung der immer stärker vernetzten Welt und den globalen Trends?

eSport begeistert Massen weltweit, ausverkaufte Hallen bei den großen Ligen und Millionen Fans vor den Live-Streams zeigen, dass es sich schon lange um keine Nische mehr handelt. Und die Fans werden in den kommenden Jahren nicht weniger werden.

Die nachfolgenden Generationen wachsen mit professionellen Ligen auf, in denen die erfolgreichsten Spieler umjubelt werden wir Fußballstars. Durch die strikte Ablehnung von eSport als anerkannte Sportart zeigt sich der DOSB rückwärtsgewandt oder gar als „alternder Moralapostel“ gegenüber den jungen Generationen. Die zunehmende Bedeutung des eSport wird dieses Gutachten nicht aufhalten können. Hier stellt sich vielmehr die Frage, ob eSport nicht die junge Zielgruppe und künftige Generationen für Olympia begeistern könnte und somit das schwindende Zuschauerinteresse wieder ankurbelt.

Hans Jagnow, Präsident des Deutschen eSport-Bundes (ESBD), argumentiert, völlig zu Recht, dass auch vom DOSB anerkannte Sportarten wie Darts oder Tischfußball, keinen gesamtkörperlichen Einsatz erfordern sondern präzise Bewegungen im Vordergrund stehen. Nicht anders sieht es beim eSport aus: Gamer sind während der Spiele hochkonzentriert, benötigen eine perfekte Hand-Augen-Koordination und schnelle Reflexe, um erfolgreich zu werden. Präzise Bewegungen sind auch im eSport ein höchstwichtiger Faktor.

„Daher ermutigen wir unsere Mitglieder, offen für neue Formen des Sports und Motor für das soziale Zusammenleben in gesellschaftlicher Vielfalt zu sein“, so steht es im Leitbild des DOSB. Diese gewünschte Offenheit neuen Sportarten gegenüber lassen die Verantwortlichen des DOSB schmerzlich vermissen – wie das eSport-Gutachten zeigt.