festival season

Berliner Agentur Megacult zu den Entwicklungen im Festivalbereich

Zum Ende der Saison 2019 werfen die Kommunikationsspezialisten der Berliner Agentur Megacult einen Blick zurück auf aktuelle Trends und Entwicklungen.

Im Zeitalter von fake news, Klimaschutzdebatten und Populismus scheint der Run auf die Live-Events ungebrochen, eher sogar zuzunehmen. Ob Jung, ob Alt, Partyjünger oder Metalheads, die „Hochfeste der Musik-Kultur“ erleben weiterhin einen Boom. Sie wirken in diesen Zeiten fast wie eine Art Refugium, in denen Spaß, Toleranz und Miteinander gefeiert werden. Und alles bitte mit einem Hauch von Nachhaltigkeit und Diversity.

REAL LIFE PLAYS OFFLINE, ABER NICHT OHNE “SHAREABLE MOMENTS”

Die Festivals als analoger Gegenentwurf zur digitalen Reizüberflutung? Oder sind sie eher doch das genaue Gegenteil: die individuelle Bühne für das digitale Ego-Performing? Sind Influencer die neuen Headliner, die heimlichen Stars, die von Veranstaltern und Unternehmen entsprechend hofiert und gefeiert werden? Findet das eigentliche Festival gar abseits der Main Stage statt?

Instagram, Snapchat, TikTok… der Festivalbesuch muss dokumentiert werden. War man wirklich da, wenn nicht alle Follower darüber informiert wurden? Immer auf der Suche nach dem nächsten perfekten Bild, der perfekten Inszenierung und den meisten Likes. Gerade bei den Festivals mit Fokus auf die jüngere Zielgruppe ist dieser Trend längst eine alltägliche Massenbewegung.

WHERE´S THE BEEF?

„Reines Logo-Sponsoring reicht schon lange nicht mehr“, so André Ziegler, Inhaber und Geschäftsführer von Megacult. „Dem Festivalbesucher geht es nicht nur um die Musik, sondern um das gesamte Erlebnis. Denn ein Festival ist keine Aneinanderreihung von Konzerten. Brands müssen in diesem Kontext daher einen echten Mehrwert bieten.“ Viele vergessen immer noch: Nicht die Marke, sondern die Festivalbesucher sollten in den Mittelpunkt gestellt werden, ansonsten kommt die Message nicht an. Sponsoren müssen sich daher fragen, passt meine Markenbotschaft überhaupt dort hin? Welchen Mehrwert biete ich dem Besucher, fühlt er sich von mir „entertaint“, wenn er gerade nicht vor einer Bühne steht?

Hier konkurriert der jeweilige Markenauftritt aber nicht nur mit dem Programm des Festivals um die Aufmerksamkeit der Festivalgänger, sondern auch mit den anderen Sponsoren. Im Idealfall addiert die Brand einen Mehrwert für die Besucher hinzu, der sich durch perfekten brand fit, Individualität und Attraktivität auszeichnet. Und somit auch eher die Herzen der Besucher vor Ort und im „digitalen Universum“ trifft. Und mit Individualität ist nicht gemeint, ob die aufgebaute Container-Stadt, groß, klein, schwarz, weiß oder rot ist…!?

EIN FESTIVAL IST WIE KEIN ANDERES

Jedes Festival hat eine „corporate culture“. Bei über 500 deutschen Festivals pro Jahr muss erstmal das Richtige gefunden werden. Dabei darf neben dem ganzen „Fun-Factor“ ein weiteres wichtiges Thema nicht vergessen werden: Welche Haltung hat das Festival? Welche Haltung haben die Sponsoren? Themen wie Nachhaltigkeit, Diversity, soziales Engagement und politische Statements rücken mehr und mehr in den Fokus. Weniger Müll, weniger Plastik und ein Blick für die Umwelt schließen sich auch auf der wildesten Festival-Party nicht aus.

Foodsharing-Stationen bieten Festivalgästen die Möglichkeit, nicht verbrauchte Lebensmittel unkompliziert zu spenden und auch Vereine wie „Hanseatic Help“ sind auf immer mehr Festivals vor Ort. Eine weitere feste Größe auf vielen Festivals sind „Viva con agua“ oder „Laut gegen Nazis“.

Klar, Bands und große Namen sind nach wie vor, gerade für große Mainstream-Festivals, ein wichtiger Verkaufsfaktor. Besucher achten vermehrt auf die Einstellung, die sich hinter den Festivals verbirgt. Und sind auch durchaus kritischer gegenüber dem vor Ort auftretenden „Industrie-Partner“.

WHAT´S NEXT!?

Die große Frage, die auch nach der Saison 2019 bleibt, ist: Wie sieht die Zukunft aus? Wie geht es weiter? Und was ist der nächste „heiße Scheiß“? Umweltaspekte, digitale Integration und ganz viel Toleranz und Liebe werden sicherlich die nächsten Jahre dominieren. Aber war es das schon oder gibt es da nicht noch viel mehr?

Veranstalter, Brands und Agenturen müssen hier mutig sein, einen Schritt weiter gehen und dürfen sich nicht als Zentrum des Universums sehen. Ein bisschen mehr Woodstock Spirit und die entsprechend positiven Vibes würden nicht nur dem Festivalgänger gefallen, sondern auch so manchem Veranstalter, Marke, Medium oder Agentur guttun.